„Ich will weiter sehen als dieses Stück Westen“
Preisverleihung des Literaturwettbewerbs „Ich bin ein 89er" im LeseZelt
Die einstündige Lesung verging wie im Fluge: Vor einem aufmerksamen Publikum lasen die Preisträgerinnen und Preisträger des BVjA-Literaturwettbewerbs „Ich bin ein 89er" am 16. Oktober 2009 im LeseZelt der Frankfurter Buchmesse ihre Sieger-Beiträge.
Unter Förderung durch den Bundesbeauftragten für Medien und Kultur hatte der BVjA in diesem Jahr den im 20. Gedenkjahr des Mauerfalls einzigartigen Wettbewerb für junge Autoren ausgeschrieben. Der BVjA fragte, welche Wertvorstellungen junge Literaten heute, zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall haben und welche Bedeutung der Mauerfall in der modernen jungen Literatur hat, und bekam auf diese Fragen klare Antworten:
Christina Müller aus Weimar stellte in ihrem Beitrag „Wendekind" die Gedanken und Gefühle einer Tochter und ihrer Mutter aus deren jeweiligen Perspektiven über den russischen Vater bzw. Partner, der während des Eisernen Vorhang in der damaligen Sowjetunion zurückblieb, eindrucksvoll in den Zeitkontext. „Ich will weiter sehen, als dieses Stück Westen", schildert sie die Gedanken der Tochter.
Es ist eine Geschichte, die den Bogen nicht nur in die Gegenwart einer nahenden ersten Begegnung der Tochter mit ihrem Vater nach der Wende zieht, sondern dabei auch zugleich als ein Appell an ein grenzenfreies und friedliches Europa zu verstehen ist und dafür mit dem mit 1.000 Euro dotierten 1. Preis gewürdigt wurde.
In der Geschichte „Fall. Berlin. Wall" fasst demgegenüber die 1980 geborene Daniela Chmelik (2. Preis/750 Euro) aus Potsdam, die Geschehnisse des 9. November 1989 aus einer – schon fast naiven – Kindersicht auf pointierte Weise zusammen und gibt der Wende damit ein nicht nur sehr wirklichkeitsnahes, sondern insbesondere menschliches Gesicht, wobei humoristische Noten zur damaligen Zeit ebenfalls nicht zu kurz kommen.
Mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde Ulrich Effenhauser (500 Euro) aus Runding (Bayern), dessen Beitrag „Die Reise nach Delphi" die kompetent besetzte Jury des Wettbewerbs überzeugte.
Effenhauser berichtet auf humoristische Weise von einer alten Liebe hinter der Mauer, welche 20 Jahre nach dem Mauerfall eine Fügung nimmt. Geschickt verknüpft der Autor diese alte Liebe mit der Gegenwart durch eine Fernseh-Millionärssendung im deutschen Fernsehen, die für die frühere Geliebte zwar nicht den wirtschaftlichen Millionengewinn, dafür aber einen anderen Hauptgewinn bereithält…
Der BVjA dankt allen 200 Einsendern zu diesem Wettbewerb für Ihre kurzweiligen und informativen Beiträge im Zeichen des denkwürdigen Jahres 1989. „Mauern niederreißen für junge Literatur, das ist seit bereits 1987 die Aufgabe des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen", betonte BVjA-Vorstandssprecher Tobias Kiwitt bei der Preisverleihung. Die Teilnehmer haben diesen Gedanken überzeugend und sehr pointiert zum Ausdruck gebracht.
Anfang 2010 wird die Sonderanthologie des Literarischen Magazins (LiMa) mit den besten Beiträgen des Wettbewerbs erscheinen und allen BVjA-Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden.
